Energy meets Mobility

01. 12. 2025

Nachhaltige Energie für die Mobilität der Zukunft - Potenziale im Bahnsektor

Ein System im Umbruch

Derzeit erleben wir auf politischer Ebene, im Energiesystem und in der Technologie eine Phase tiefgreifender Umbrüche. Dekarbonisierung, Elektrifizierung, der Umbau der Netze, die Rolle von Prosumer:innen und die zunehmende Bedeutung von Flexibilität und Sektorenkopplung verändern die Spielregeln. Gleichzeitig wächst der Druck, konkrete Beiträge zur Mobilitätswende zu leisten – mit einem attraktiven Angebot, das klimafreundlich, effizient und zukunftsfähig ist.

Die brennenden Fragen: Welche zukünftigen Potenziale entstehen an der Schnittstelle von Energie und Mobilität? Welche Innovationsfelder zeichnen sich ab? Und wie können wir als ÖBB diese Entwicklungen aktiv gestalten? Nicht nur im Sinne von Klimaschutz, sondern auch als Beitrag zu Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Resilienz?

Die Eisenbahn gilt als das klimafreundlichste motorisierte Verkehrsmittel. Doch die Transformation hin zu Net-Zero-Mobilität verlangt mehr als den Umstieg von Diesel- auf E-Lok und Akku-Züge: Sie erfordert ein integriertes Energiesystem, in dem Erzeugung, Speicherung, Verteilung und Nutzung nahtlos ineinandergreifen.

Trends und Themen im Fokus der ÖBB 

Die Energiewende und die Verkehrswende greifen immer stärker ineinander. Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen Energie- und Mobilitätssektor vernetzt gedacht werden (Stichwort Sektorenkopplung). Schon heute stammen in Österreich etwa 75% des Stroms aus erneuerbaren Quellen, doch im Verkehrssektor dominiert weiterhin das Erdöl – hier besteht großes Elektrifizierungspotenzial.

Im Folgenden werden vier zentrale Trends in der Energiewirtschaft und der Mobilität vorgestellt, die den Zeitraum von jetzt bis etwa 2035 prägen. Diese Trends sind eng miteinander verzahnt und treiben eine
nachhaltige Transformation voran.

Trends

1. Dezentralisierte, KI-gestützte Energiesysteme beschleunigen die Dekarbonisierung

Globale Investitionen in die Energiewende haben 2024 ein neues Rekordniveau erreicht. Neben Photovoltaik fließt das Kapital zunehmend in digitale Netzinfrastrukturen, Batteriespeicher und Wasserstoff. Parallel dazu rückt die „Digitalisierung für Dezentralisierung“ in den Vordergrund: Edge- und Generative-KI analysieren Netzdaten in Echtzeit, verschieben Lasten, erkennen Anomalien und machen lokale Mikronetze netzdienlich. Damit entsteht eine resilientere Stromversorgung, die Wetterextreme besser abfedert und Prosumenten in den Markt integriert.

2. Mobilitäts-Hubs & „Human-Scale Cities“ treiben den Übergang zur autoarmen Stadt

Europa investiert aktuell Milliarden in multimodale Drehkreuze, die Bahn, Mikro- Mobilität und Logistik bündeln – gefördert u. a. über die „Connecting Europe Facility“. Es zeigt sich, dass gut gestaltete Hubs private Pkw-Fahrten signifikant ersetzen können. Konzepte wie die Fünf-Minuten-Stadt oder gendergerechte Mobilitätsplanung betonen Aufenthaltsqualität, Sicherheit und kurze Wege. So wandelt sich Verkehrsinfrastruktur zum städtischen Lebensraum und reduziert CO₂-Emissionen direkt im Quartier.

3. Plattform-Ökonomie für CO₂- und Ressourcentransparenz schafft neue Märkte

Die EU verankert digitale Nachweisketten: Ab 1. Januar 2025 erlaubt das CBAM-Portal Anlagenbetreibern außerhalb der EU, Emissionsdaten zentral hochzuladen; im EU-ETS müssen Betriebe ihre geprüften Berichte bis 31. März des Folgejahres einreichen. Parallel entstehen Blockchain Plattformen, die CO₂-Zertifikate tokenisieren und fälschungssicher handelbar machen – ein Sprung in Richtung „Total Transparency“ entlang ganzer Lieferketten und ein Fundament für neue Geschäftsmodelle rund um CO₂-Accounting, Energiedienstleistungen und Peer-to-Peer-Handel.

4. Zirkuläre Batterie- und Clean-Tech-Ökosysteme schließen den Materialkreislauf

Die neue EU-Batterieverordnung (verabschiedet 04. Juli 2025) verpflichtet Hersteller zu Digital Product Passports, Mindestrecyclingquoten und sozialer Rohstoffbeschaffung. Damit wird „Design for Re-use“ industrieweit zur Norm: sekundäre Rohstoffe fließen in die Produktion zurück, Life-Cycle-CO₂ sinkt, und
Geschäftsmodelle wie Batterie-Leasing oder Second-Life-Speicher werden wirtschaftlich. Sauberes Produktdesign und emissionsfreie Antriebe erhalten dadurch eine belastbare Kreislaufinfrastruktur – ein zentraler Baustein für die Circular Economy.

Das vollständige Whitepaper mit weiterführenden Informationen und konkreten Beispielen steht nachfolgend als Download zur Verfügung.

Quellenhinweis:

Das Whitepaper "Energy meets Mobility" wurde vom ÖBB Open Innovation Team verfasst. Wir bedanken uns sehr herzlich für die konstruktive Zusammenarbeit beim Geschäftsbereich Energie von ÖBB Infrastruktur sowie allen weiteren Expert:innen aus dem Konzern, die uns bei unseren Recherchen und Analysen unterstützt haben.