Vibe Coding: Innovation im Turbo-Modus

03. 11. 2025

Stellt euch vor, ihr könnt in wenigen Minuten eine App-Idee zum Leben erwecken – ganz ohne Programmierkenntnisse. Klingt nach Zukunftsmusik? Mit Vibe Coding ist das heute schon möglich!

Was ist Vibe Coding?

Vibe Coding ist ein moderner Ansatz, bei dem kreative Ideen mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und cleveren Tools schnell in erste Entwürfe, sogenannte Mockups, oder sogar funktionierende Prototypen verwandelt werden. Das Besondere: Man braucht dafür keine Zeile Code zu schreiben! 

Stattdessen gibt man der KI einfache Anweisungen – sogenannte Prompts. Ein Prompt ist zum Beispiel ein kurzer Text wie: „Erstelle eine App, mit der ich meine täglichen Aufgaben verwalten kann.“ Die KI versteht diese Anweisung und erstellt daraus automatisch einen ersten Entwurf der App – das sogenannte Mockup. 

Wir von Open Innovation haben uns in den letzten Monaten intensiv mit dem Vibe Coding Tool „Lovable“ auseinandergesetzt. Hier sind unsere wichtigsten Erkenntnisse: 

Wo kann Vibe Coding eingesetzt werden?

Hier ein paar Beispiele, wie Vibe Coding gemeinsam Innovation ermöglichen: 

  • Workshops: 
    Mit wenigen Prompts können Teilnehmer:innen im Rahmen eines Workshops erste Mockups erstellen. So wird aus einer Idee in kürzester Zeit ein anschauliches Bild, das hilft Ideen zu visualisieren. 

  • Prototyping-Sprints: 
    In sogenannten Prototyping-Sprints lässt sich schnell ein Proof of Concept (PoC) oder ein Prototyp entwickeln – dank Vibe Coding wesentlich schneller als bisher noch. Je nach Komplexität kann es durchaus sinnvoll sein, Teile selbst zu programmieren, aber wertvolle Entwicklungszeit kann effizienter eingesetzt werden. Das bedeutet: Sie können testen, wie Ihre Idee in der Praxis funktioniert, bevor Sie viel Zeit und Geld investieren. 

  • Variationen testen: 
    Ihr möchtet verschiedene Versionen eines Produkts oder Services ausprobieren? Mit Vibe Coding könnt ihr schnell mehrere Varianten erstellen und direkt Feedback einholen. So findet ihr heraus, was am besten ankommt. 

  • Hackathons: 
    Bei Hackathons – also Innovationswettbewerben – können Teams mit wenig Aufwand eine komplette Anwendung erstellen. Das senkt die Einstiegshürde und macht Innovation für alle zugänglich. 

© SBB

Tipps für den erfolgreichen Einsatz

  • Klare Anforderungen: 
    Je klarer und präziser die Prompts formuliert sind, desto genauer und passender ist das Ergebnis. Wer weiß, was er/sie will, bekommt schneller das gewünschte Resultat. 

  • Fokus auf das „Was“, nicht das „Wie“: 
    Beim Vibe Coding geht es darum, die Idee zu beschreiben – nicht jedes Detail der Umsetzung. Pixelgenaue Designs sind oft aufwändig. Wenn das genaue Aussehen nicht essenziell ist, erzielt man mit Vibe Coding besonders schnell Ergebnisse. 

  • Schritt für Schritt statt alles auf einmal: 
    Es lohnt sich, die Anwendung Element für Element zu bauen, statt alles auf einmal zu wollen. So bleibt der Überblick erhalten und Anpassungen sind leichter möglich. 

  • Start over: 
    Wie auch in der klassischen Softwareentwicklung gilt: Wenn zu viel herumprobiert wurde und der generierte Code zu chaotisch wird, zahlt es sich manchmal aus, einfach nochmal von vorne zu beginnen. 

  • Klare Schnittstellen: 
    Wenn die Schnittstelle zwischen Frontend (also der Benutzeroberfläche) und Backend (der dahinterliegenden Logik) klar definiert ist, lässt sich ein mit Loveable erstelltes Frontend gut mit einem eigens entwickelten Backend kombinieren.  

  • Chat, then build: 
    Loveable bietet einen „Chat“-Modus, der sich hervorragend für die Planung eignet. Hier kann man mit der KI die Anforderungen besprechen, bevor der Agent dann den Plan umsetzt. 

  • Git Integration: 
    Wer programmieren kann, profitiert von der GitHub-Integration: Der generierte Code kann direkt in ein GitHub-Repository geschrieben werden. So kann man gemeinsam mit dem Agenten weiterentwickeln und den Code professionell verwalten. 

Wo liegen die Grenzen?

So vielversprechend Vibe Coding auch ist – es gibt auch Herausforderungen und Grenzen, die man kennen sollte: 

  • Komplexe Visualisierungen: 
    Wenn es um sehr komplexe Darstellungen geht (wie z.B. spezielle Diagramme, etwa das ZWL-Diagramm), braucht man viel Geduld und oft mehrere Anläufe, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. 

  • Halluzinieren / Übertreiben: 
    Die KI kann dazu neigen, Informationen oder Daten zu „erfinden“ (sogenanntes Halluzinieren). Wer wirklich nur nachvollziehbare, echte Daten will, muss Zeit investieren, um die KI entsprechend zu „erziehen“ und die Ergebnisse zu überprüfen. 

  • KI „verrennt sich“: 
    Manchmal „verrennt“ sich die KI und kann auch nach mehreren Versuchen einfache Fehler nicht beheben. In solchen Fällen hilft es oft, ein paar Schritte zurückzugehen oder sogar ganz neu zu starten. 
    Gerade in solchen Fällen kann es sehr hilfreich sein, wenn man doch über Programmierkenntnisse verfügt, um der KI Hinweise zu geben, wie das Problem zu lösen sein könnte - damit spart man viel Zeit. 

  • Kein Zauberstab: 
    Vibe Coding ist kein Zauberstab. Wer nicht weiß, was er will, ist der Willkür der KI ausgeliefert. Gute Planung ist entscheidend – zum Beispiel mit einer User Story Map, klaren Anforderungen (JTBD), und einer durchdachten Datenbankstruktur von Anfang an. Auch hier: mit KI erste Ideen weiterentwickeln, aber dann neu starten, sobald die Anforderungen klar sind. 

  • Gut für Prototypen – nicht geeignet für produktive Anwendungen 
    So hoch die Versuchung ist, einen funktionierenden PoC oder Prototypen direkt produktiv einzusetzen, so gilt auch hier: der Code, den Lovable erzeugt, muss bevor er produktiv genommen wird, einem genauen Code Review unterzogen werden und ist nicht für langfristige Wartung optimiert. Für eine Inbetriebnahme einer Lösung sollte der Prototyp definitiv “klassisch” neu programmiert werden, um die Sicherheit und langfristige Wartbarkeit zu garantieren 

Wie bei allen KI Tools gilt: Unternehmensdaten dürfen in externen Tools nicht verarbeitet werden, das heißt es dürfen nur Beispieldaten verwendet werden. 

Fazit: Innovation für alle – mit gesundem Menschenverstand 

Vibe Coding und Plattformen wie Lovable eröffnen neue Möglichkeiten: 
Jede:r kann Ideen ausprobieren, Prototypen bauen und Innovationen vorantreiben – auch mit wenig oder ohne Programmierkenntnisse. 
Aber: Planung, Geduld und gesunder Menschenverstand sind trotzdem gefragt. 

Du hast Interesse an Vibe Coding im ÖBB Konzern? Dann schreibe uns.